Von der Deutschen Vereinsmannschaftsmeisterschaft 2003 der U20w im schwäbischen Ditzingen und vom spannenden Weg der Rüdersdorfer Girls zum Meisterschaftsgold berichtet Jennifer Sdunzik.
Einen lesenswerten Artikel von Harald Fietz zum Finale der U20w gibt es auf der Homepage von Rochade Kuppenheim
„Glück auf” Rüdersdorf spielt
Weihnachtsmann und beschenkt sich mit dem Deutschen Meistertitel
Rennen um die höchste Vereinstrophäe für Mädchen so spannend
wie selten
Die Schachfreunde Dortmund-Brackel mit den Naiditsch-Geschwistern haben abgesagt!
Die heißeste Neuigkeit gab es schon vor der Deutschen Vereinsmeisterschaft
für weiblichen Nachwuchs unter 20 Jahren. Die mehrfachen Gewinner verteidigten
ihren Titel nicht; dies versprach einen spannenden Kampf um den begehrten Pokal.
Gleich mehrere Team wurden als eher „geheime“ Favoriten gehandelt!
Schon im Zug sprudelten wir, Veronika Kind, Judith Hönecke, Thea-Lina Müller,
Nadine Busse und ihre werte Berichterstatterin Jennifer Sdunzik in Betreuung
von Coach Holger Borchers, alle nur so vor Energie und Freude auf das kommende
Ereignis – die Stimmung war einfach super, was vielleicht auch an dem
einen oder anderen Weihnachtsgeschenk lag ;-). Kaum nach langer Fahrt in Ditzingen
angekommen, trafen wir nach und nach bekannte Gesichter – der Euphorie
waren keine Grenzen mehr gesetzt, die gute Laune trieb auf einen ersten Höhepunkt
...
Durchwachsener Start ins Mittelfeld
Dann der erste, kleine „Schock“ – Rüdersdorf stand auf
Startplatz zwei! Waren wir echt so stark? Anscheinend schon! Die Auftaktrunde
lief optimal – 3,5:0,5 problemlos gegen Mutterstadt gewonnen, aber dann
in der zweiten Runde „nur“ 2:2 gegen eine vermeintliche Außenseitermannschaft
– SF Wadgassen-Differten. Doch lange waren wir die Einzigen, die ihnen
immerhin einen Mannschaftspunkt abknüpften ... Weil auch die anderen Titelanwärterinnen
wie Leipzig-Gohlis oder SK König Tegel „nur“ 2:2 spielten,
blieb weiterhin alles offen und es kamen schließlich noch fünf Runden.
Dann in Runde drei unser Debakel mit einer Klatsche 1:3 gegen Leipzig-Gohlis
– war der Kampf um den Titel jetzt verloren? Nur die erstmals eingesetzte
Nadine gewann und holte sich Selbstvertrauen, um am Ende mit fünf Siegen
unsere so wichtige „Bank“ zu werden. Doch davon gleich mehr. Zunächst
zweifelten wir ein wenig: Sind wir nach der saftigen Niederlage eher „Glück
unter“ statt „Glück auf“?
Der Kampf geht weiter - aus „Glück unter“
wird wieder „Glück auf“
„Aufgeben“, dieses Wort kannten wir bei diesem Turnier nicht! Die
Stimmung in der Mannschaft blieb locker-fröhlich, der Ehrgeiz um einen
Medaillenrang brannte weiter! So gewannen wir zum Ausklang von Tag zwei in Runde
vier gegen den Allersberger SC 3,5:0,5. Der nächste Tag bescherte uns morgens
in Runde fünf den diesjährigen Norddeutschen Meister SK König
Tegel. Dieses Duell sollte entscheiden, ob wir weiter in der Spitze kämpfen
würden oder um ein Spielfrei-Los bangen mussten. Schnell standen wir an
allen Brettern ziemlich gut, doch das heißt bekanntlich noch lange nichts.
Nichtsdestotrotz lagen wir nach knapp drei Stunden 2:0 in Führung, da Judith
und Nadine „ihre Gegnerinnen an die Wand spielten“. Unerwartet folgte
ein Rückschlag – Veronika vermasselte ihre Bombenstellung mit Mehrfigur
und Stefanie Schulz konnte sich dank ihrer Freibauern durchsetzen - nur noch
2:1! Jetzt lastete die Verantwortung auf mir – da ich mein Team nicht
enttäuschen wollte, legte ich mich extra ins Zeug (wie immer also ;-) )
und holte den entscheidenden Punkt zum 3:1. Es war wieder mal alles offen, weil
die „Favoritinnen“ Leipzig-Gohlis gegen Wadgassen 1,5:2,5 unterlagen.
In der sechsten Runde gegen Wolfbusch brachte ich dann nicht mehr volle Leistung,
was aber nicht weiter störte, denn auf „meine“ Mädels
war Verlass, erneut 3:1 für uns!
Final Showdown - beim Mädchenschach ist alles möglich...
Eigentlich mag ich dieses Vorurteil gar nicht, doch bei der weiblichen Jugend
ist offensichtlich nichts unmöglich, eine gewonnene Partie kann schnell
kippen und der anderen Mannschaft den Erfolg bringen ...
Jetzt lagen also sechs Runden hinter uns und nichts war entschieden: Eppendorf
(16,5 Brettpunkte), Rüdersdorf (16 BP) und Wadgassen (15 BP) bilanzierten
alle 9:3 Mannschaftspunkte – die letzte und entscheidende Runde konnte
beginnen ...
Es hätte nicht besser kommen können, ein „echtes“ Finale
Eppendorf – Rüdersdorf! Wer gewinnt, hat den Titel so gut wie sicher.
Dass Wadgassen beide Mannschaftspunkte holen würde, war anzunehmen, dann
entscheiden also die Brettpunkte. Hui, das Rechnen begann ... Wadgassen schaffte
„nur“ ein 2,5:1,5, was bedeutete, der Sieger aus unserer Paarung
würde DEUTSCHER MEISTER werden.
Unser Kampf um den Titel ...
Nach Höhen und Tiefen kämpften wir - kaum zu glauben - um den begehrten
Titel! Veronika am Spitzenbrett holte ein sicheres Remis gegen Alice Winnicki,
womit ich sehr zufrieden war, Herr Borchers befürchtete allerdings, dass
der Titel nun verspielt sei, doch ich gab das Vertrauen in meine Mädels
nicht auf! Es ging in die Zeitnotphase – Nadine nutzte die Fehler ihrer
Gegnerin souverän aus und es stand nun 1,5:0,5. Würden die mittleren
Bretter den entscheidenden Punkt holen? Sicher!! Auch bei diesen Begegnungen
ging es heiß her, aber in der Zeitnotphase bewies Rüdersdorf wieder
einmal die stärkeren Nerven – Judith gewann erst eine Figur und dann
die Partie, somit stand bereits fest: RÜDERSDORF IST DEUTSCHER MEISTER!!!
Thea hatte dies noch nicht mitbekommen und verlor bis zur Zeitkontrolle im 40.
Zug ziemlich die Nerven – im 39. Zug ließ sie den glatten Gewinn
aus, aber das sichere Remis hatte sie jederzeit in der Tasche. Danach beruhigte
ich sie erst mal mit der Freudenbotschaft! Kurze Zeit später hieß
das Ergebnis 3:1 für Rüdersdorf! Die Laune stieg auf den Höhepunkt.
So richtig glauben konnten wir es jedoch nicht!
Besonders schön, dass wir Veronika einen tollen und ehrenvollen Abschied
bescherten – danke Veronika für deinen tollen Einsatz an Brett eins
die letzten Jahre über! Auch an meine anderen Girls vielen Dank, es ist
immer super, mit euch zu spielen und eine besondere Ehre mit euch DEUTSCHER
MEISTER zu sein!! ;-))
Insgesamt haben wir allen Grund, stolz zu sein, denn wieder einmal bewahrheitete
sich: GLÜCK AUF bleibt eben doch GLÜCK AUF!!
Anbei noch einige Bilder vom Turnier, die freundlicherweise über Harald Fietz vom Veranstalter (Andeas Ryba / Ina Rotenberg) bereitgestellt wurden:
Zur Bildergallerie
Zum Bericht über den Weg der Rüdersdorfer Jungen zum Deutschen Vizemeistertitel hier.
Glückwünsche des Bürgermeisters für die Teams der U20w, U16m und U14w hier.