SV Rüdersdorf
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Vor oder zurück?

18.08.2019
Bilanz der Saison 2018/19 im Kinder- und Jugendbereich von Glück auf

Zu Beginn der Saison hatten sich zwei Mannschaften, unsere u12 und die u16, für die Norddeutsche Mannschaftsmeisterschaft qualifiziert. Die Ergebnisse entsprachen trotz eines Trainingslagers zur Vorbereitung und mehrerer guter Einzelleistungen im Vorfeld leider nicht ganz unseren Erwartungen, denn die u12 erreichte Platz 16 (Startranglistenplatz 18) und die u16 kam auf Platz 15 (Startranglistenplatz 10) herein. Es zeichnete sich ab, dass der Abstand zum Niveau der im Schach starken Bundesländer größer geworden war. Die u10, die nach Weihnachten ihre deutsche Mannschaftsmeisterschaft hatte, erkämpfte Platz 18 (Startranglistenplatz 10), was schon eine gewisse Enttäuschung war.

Insgesamt haben sich unsere Bemühungen als zu schwach erwiesen. Zwei unserer Kinder, Ben und Sophie, durften seit Saisonbeginn zweimal zum Training kommen. Das zeigte noch nicht Wirkung. Jede Mannschaft von uns konnte gerade so genug Mannschaftsmitglieder aufweisen. Wir hatten gar nicht die Möglichkeit, auf Formschwächen zu reagieren, denn es fehlten die Ersatzspieler. Von Konkurrenz innerhalb einer Mannschaft ganz zu schweigen. Das Training der führenden Mannschaften war in der Vorbereitungsphase auch viel intensiver. Die jüngeren Kinder haben deutlich zu wenig Spielpraxis und Wettkampferfahrung, was sich durch die DWZ-Auswertungsseite des Deutschen Schachbundes leicht beweisen lässt. Aber dazu später mehr.

Zwischenzeitlich wurde unsere Erwachsenenmannschaft Rüdersdorf II zumeist mit Spielern aus dem Kinder- und Jugendbereich besetzt, vor allem mit unseren u16-Spielern, aber auch mit Paul und Jarne. Sie machten bei jeder Runde mindestens 50 Prozent der Mannschaftsmitglieder aus. Und auch von den Älteren sind ja viele gerade mal dem Jugendbereich entwachsen. Bei dieser Gelegenheit konnten unsere Junioren zeigen, was in ihnen steckt. Und das taten sie auch. Wir sind unbezwungen aufgestiegen – ein Erfolg unserer Jugendarbeit, was niemand bestreiten kann. Das ist der Paukenschlag der Saison, wozu man allen Mannschaftmitgliedern nur herzlich gratulieren kann.

Im Hinblick auf die Ergebnisse im gesamtdeutschen Bereich kamen mir aber so meine Zweifel. Ob die Küken in der Landesklasse standhalten können? Haben andererseits die „Alten“ noch genug Kraftreserven und Moral? Da kam die Ausschreibung der MOZ „Gut für MOL“ wie gerufen. Die besten 25 Vereinsprojekte sollten mit je 1.000 Euro prämiert werden. Unser Projekt lautete „Schach als generationsübergreifender Mannschaftssport – einzigartig in der Region“. Das hat gezündet, bei der Internetabstimmung landeten wir auf Platz 15 und haben die 1.000 Euro bekommen. Für eine Randsportart ist das ein grandioser Erfolg. Ich bedanke mich bei dieser Gelegenheit bei Bulgan, die mir sehr geholfen hat, das Projekt in die Wege zu leiten.

An dieser Stelle eine persönliche Anmerkung. Die Tatsache, dass wir diesen Sieg bei der Abstimmung geschafft haben, zeigt mir, dass für die meisten Eltern und Kindern, wie auch insgesamt für alle Spieler der Abteilung, Schach doch noch nicht ganz zur Nebensache geworden ist. Im Vorstand unserer Abteilung sitze ich mit Jörg Zähler ganz alleine und manchmal hat es beim Organisieren bestimmter Dinge den Anschein, man kämpft gegen Windmühlenflügel. An die Stelle eines gelösten Problems treten sofort drei neue, die einer dringenden Lösung harren. Ich habe wieder etwas Zuversicht bekommen, auch wenn ich jetzt das Training für die Mannschaft organisieren muss, denn ein Vorstandsmitglied für die Erwachsenen haben wir ja nicht …

Die Landesmeisterschaften zeigten ein Auf und Ab der Leistungen in unserer Abteilung. Fünf Siege, aber auch mehrere nicht erfüllte Hoffnungen. Es sollte sich zeigen, dass uns im u10- und u12-Bereich noch viel Arbeit bevorsteht. Andere Vereine können das auch gut. Die Landesmannschaftsmeisterschaften der Jugend sollten diese Diagnose dann im Frühjahr bestätigen. Die erfolgsverwöhnten Rüdersdorfer haben mit Nauen, Finow, Groß Schönebeck und Potsdam im eigenen Land starke Konkurrenz bekommen. Ich freue mich darauf, denn Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Geschäft und genau diese Belebung hat Brandenburg bitter nötig. Immerhin senden wir dieses Jahr drei Teams zur Norddeutschen Vereinsmeisterschaft. Eine Mädchenmannschaft ist nämlich dank der unermüdlichen Arbeit von Jörg Zähler zusätzlich zur u12 und u16 hinzugekommen. Wir drücken die Daumen, hoffentlich schaffen die Mädchen den Sprung von Schul- zum Vereinsschach und bleiben unserer Abteilung erhalten, um später mit den Jungs ein Team zu bilden.

Nun zum Höhepunkt der Saison, der Deutschen Jugend-Einzelmeisterschaft zu Pfingsten in Willingen. Aus unserem Verein konnten sich fünf Jugendliche qualifizieren. Zusätzlich spielte Niclas in der Offenen B-Meisterschaft mit. Hierfür standen uns zwei Trainer zur Verfügung, Herr Pachow und Herr Berger. Um es kurz zu machen: Im Wesentlichen lagen die Ergebnisse in etwa bei den Erwartungen, also im unteren Drittel der Tabelle. Positiv hervorzuheben sind Ben (4,5 aus 9) und Jarne (6 aus 11), weil sie immerhin die Hälfte der Punkte erspielen konnten. Mehr war leider nicht drin. Das hat neben gewissen individuellen Schwächen der einzelnen Spieler (die Partien sind ja im Internet nachzuverfolgen) auch eine Menge objektiver Ursachen. Ich habe mich viel mit den Eltern der Kinder aus anderen Bundesländern unterhalten und dabei einige Aha-Erlebnisse verbuchen können. Erstens führen die starken Schach-Bundesländer ein einwöchiges Trainingslager allein zur Vorbereitung auf die DEM durch, das von den Landesschachverbänden oder Schachjugenden der entsprechenden Länder veranstaltet wird! Unsere Rüdersdorfer Kinder konnten auf drei Tage Trainingslager verweisen, was der Verein organisiert hat. Dazu kommt noch ein Tag Training in Eberswalde mit dem Landestrainer kurz vor der DEM. Die Teilnehmer aus den starken Schach-Bundesländern wurden gleich nach der Landesmeisterschaft auf die begleitenden Trainer aufgeteilt. Die Brandenburger Kinder hatten in diesem Jahr das Glück, wenigstens zwei Landestrainer für alle Teilnehmer zu haben, in den Jahren zuvor war es nur einer. Dass ein Landestrainer ein oder mehrere Turniere begleitet, bleibt in Brandenburg wohl eine Wunschvorstellung (in Berlin und Sachsen-Anhalt ist dies der Fall). Zweitens musste ich mich davon überzeugen lassen, dass die Idee von einem Kind mit allseitigen Bildung, wozu auch vertieftes Schachtraining gehört, ausgedient hat bzw. zur blanken Illusion geworden ist. Das neue Ideal ist ein achtjähriges Kind mit einer DWZ 1800 und drei bis vier Jahren Wettkampferfahrung, also das sowjetische Modell (Für uns Brandenburger: Das gibt es wirklich in Deutschland!). Das geht nur, wenn Schach alle anderen Lebensbereiche überlagert. Drittens sind die enormen Leistungssteigerungen bei vielen Teilnehmern über Jahre hinweg nur auf regelmäßiges Einzeltraining zurückzuführen. Wenn unsere Kinder zumindest im Mittelfeld landen wollen, ist das der Weg. Es bedarf eines Trainings- und Wettkampfplanes wie auch qualifizierter Trainer hierzu. Und natürlich kostet das Geld und Zeit. Unsere zögerliche Haltung diesbezüglich hat uns ein Talent gekostet, denn Jarne wechselt zum 1. Juli den Verein und wird Borusse in Lichtenberg. Ich wünsche ihm, dass sich seine Hoffnungen erfüllen und er sein Talent frei entfalten kann.

Zu guter Letzt sei noch erwähnt, dass die Organisation der Brandenburger Teilnahme an der DEM seitens des Landes vom Landesjugendwart eine Menge Arbeit abverlangt. Martina Sauer macht dies seit Jahren ehrenamtlich – im Unterschied zu vielen anderen Bundesländern. Ich kann sie dafür nur bewundern, denn das kostet jede Menge Arbeitsstunden und Nerven. Insgesamt war die DEM eine gelungene, harmonische Veranstaltung, die den Kindern ewig in Erinnerung bleiben wird. Damit hat sie ihren Zweck erfüllt, wer einmal dort war, will wieder hin. Das trifft auch für meine Tochter zu.

Stellt sich zum Abschluss die Frage: Wohin soll die Reise gehen? Was streben wir mit unserer Jugendarbeit an? Was wollen und können wir machen?

Viele Schachvereine verzichten ganz auf Jugendarbeit, sie werden allmählich zu reinen Rentnerklubs. Es gibt auch Vereine mit Jugendarbeit, die aber ohne Leistungsorientierung arbeiten und nicht mehr an den Jugendwettkämpfen teilnehmen. Irgendwie hänge ich allerdings noch immer an dem Leistungsgedanken. Wenn Schach ein Teil dessen ist, womit wir unsere Kinder auf das Leben vorbereiten wollen, dann gehören Leistung und Konkurrenz dazu. Wo soll man lernen, eine Niederlage wegzustecken, wieder aufzustehen und weiterzukämpfen, wenn nicht im Sport? Wo kann man besser Freunde finden als im Verein und beim Wettkampf? Wo lernt man Toleranz und Respekt füreinander? Wo kann man konzentrierte Vorbereitung auf ein bevorstehendes Ereignis erlernen? Sind unsere Kinder schlechter oder dümmer als anderswo? Dass sich Eltern für diesen Teil der Kindererziehung interessieren und sich einbringen, gehört aber auch dazu. Ein Brainstorming ist also angesagt! Einige Eltern sehen diese Tendenzen kritisch, andere wiederum richten sich darauf ein. Ben fährt diesen Sommer sogar zu einem Turnier nach Kroatien.

Zu Schuljahresbeginn werden wir Elternabende in den Trainingsgruppen abhalten. Es gibt gewiss einiges zu diskutieren.

Lars
Jugendbereich