SV Rüdersdorf
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Eindrücke von der Norddeutschen Vereins-Jugendmeisterschaft u16 in Berlin

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Die siebente Woge

Unsere u16-Mannschaft war vom 8.-11. September zur Norddeutschen Jugend-Vereinsmeisterschaft, die in der Jugendherberge Ostkreuz in Berlin stattfand. Das Team, bestehend aus Ian, Ben, Niclas und Sophie, hatte sich die Teilnahme redlich verdient, ging es doch in der vergangenen Saison ungeschlagen aus der Brandenburger Vereins-Jugendmeisterschaft hervor.
Die Jugendherberge selbst ist zwar etwas teurer als gewöhnlich, aber sie ist ganz neu renoviert, die Zimmer sind groß und sauber, die Betten einigermaßen bequem und das Essen ist überdurchschnittlich, beinahe Hotelniveau. Lediglich der Lärm des nahen Bahnhofs Ostkreuz sowie der Bau- und Straßenlärm sind störend. Gemütlich sind die hohen Räume auch nicht gerade. Immerhin wird das alte Schulgebäude aus der Kaiserzeit den Ansprüchen einer Jugendherberge mehr als gerecht, jedes Zimmer hat ein Bad eingebaut bekommen, es gibt ausreichend Schrankraum und im Foyer ist sogar eine kleine Lounge, die rund um die Uhr geöffnet hat, damit ich an mein tägliches Dienstabschlussbier (DAB) komme. Der Turniersaal im 3. Stock war geräumig genug. Es fehlte nur ein großer Analyseraum und auch in den Zimmern gibt es keine frei stehenden Tische für Schachbretter, sondern nur Schreibtische, die in der Wand verschraubt sind. Doch bei dem schönen Wetter konnten wir die Terrasse mit ihren Tischen zum Auswerten nutzen.
Der Anfang des Turniers war ganz stürmisch. Ian war schwer erkältet, so dass er noch eine Nacht zu Hause blieb, und Ben kam von einer Schulveranstaltung erst später. Wir hatten schon Angst, nur zu dritt starten zu müssen, aber Ian kurierte sich tapfer aus und kam schließlich doch. Ein Riesenkompliment an ihn, der seine Erkältung niederrang und dann noch an Brett 1 die beste Leistung in der gesamten Mannschaft zeigte. Kapitän, Vorbild und Shooting Star der Saison.
Die erste Runde am Samstag bescherte uns mit dem Hamburger SK gleich den Favoriten. Alle waren hoch motiviert, dennoch haben uns die Hamburger nach langem Kampf mit 0:4 eingeseift. Naja, der DWZ- und Elo-Unterschied und damit der Klassenunterschied waren wohl noch zu groß. In der zweiten Runde wollten wir es besser machen, spürten wir doch, dass das 0:4 etwas hart war und wir mehr können. Kreuzberg hieß der Gegner – auch ein schwerer Brocken. Es ging 2:2 aus, und hätte nicht ein Teammitglied etwas zu schnell Remis gegeben, ohne vorher den Kapitän zu fragen, wäre vielleicht ja auch mehr drin gewesen. Der Sonntag war dann unser Tag, denn ein 4:0-Sieg gegen Bad Schwartau und ein 3:1 gegen Rostock spülte uns nach oben, alles schien möglich. Der Montag brachte allerdings harsch die Ernüchterung. Hatte sich bis dahin das lange Kämpfen gelohnt, verloren wir nach langem hartem Ringen gegen Lübeck 2,5:1,5, um dann am Nachmittag gegen Borussia Lichtenberg eine schmerzhafte 1:3-Klatsche zu kassieren. Richtig gegenhalten vermochte allein Ian, bei den Anderen machte sich bemerkbar, dass sie jünger als der Durchschnitt der Teilnehmer sind. Die Konzentration ließ in der vierten Stunde nach. Ben und Niclas schienen auch mit den Gedanken manchmal woanders zu sein, sie konnten nicht so recht an ihre Vorjahresergebnisse anknüpfen. Die Gefühle gingen also auf Talfahrt. Nach dem goldenen Sonntag und dem schwarzen Montag beteten wir für einen rosigen Ausgang am Dienstag. Es ging gegen das Schachzentrum Bemerode (bei Göttingen). Da von all unseren Spielern viele frische Partien im Netz stehen, war es für den Trainer aus Bemerode ein Leichtes, seine Eleven vorzubereiten. Von den Bemerödern wiederum gab es keine aktuellen Partien. Man fühlt sich da etwas gläsern, also hilflos ausgeliefert. Das gilt übrigens auch für die Rostocker, Bad Schwartauer etc. Übrigens haben die großen Vereine gleich so viele Teilnehmer vorangemeldet, dass es unmöglich war, sich auf einzelne Stars in so einem Team vorzubereiten.
In der letzten Runde konnten nur Niclas und Sophie mit einem Remis standhalten, wogegen Ben und Ian verloren. Unser Küken Sophie hielt den gesamten Turnierverlauf über gut mit und konnte auch punkten, auch wenn es im Einzelnen natürlich noch Reserven gibt und zumindest ein Pünktchen liegenblieb. Ein Sieg in der letzten Runde hätte unser Team auf Platz sieben gespült, die bittere Niederlage ließ uns auf Platz 15 sinken. So ist nun mal der Sport.
In der Malerei der Romantik gibt es von vielen Künstlern das Motiv der siebenten Woge. Es gilt einem alten Aberglauben der Seeleute zufolge schlechthin als Symbol für die Chance auf Überleben - in diesem Fall der Schiffbrüchigen im Rettungsboot. Überleben sie sieben Sturmwogen, kann man auf Rettung hoffen. Übersteht man nach dem Auf und Ab sieben Runden, worauf kann man dann hoffen? Ist das die erhoffte Vorbereitung auf härtere Prüfungen in der nächsten Saison? Haben wir gut oder schlecht gespielt? Machen wir uns etwas vor? Sind wir den Schachkombinaten (Großvereinen und Trainingszentren überall in Deutschland) als kleiner Verein im Osten noch gewachsen? Interessiert sich eigentlich noch irgendjemand in Rüdersdorf dafür, was die Schachkinder so machen? Wo bekommen wir Trainer, Geld und Training her - Fragen über Fragen, die wie die Brandung immer neu heranstürmen und einen mal euphorisch, mal depressiv zurücklassen.
Viel Training, Ausdauer, Vertrauen, Geduld, Zeit und Geld sind nötig, um ein Team zu formen, das auch gewinnen kann. Doch eines ist gewiss wie jener besagte Fels in der Brandung: An Ian, Ben, Niclas und Sophie glaube ich ganz fest. Ich bin stolz auf sie, nächstes Jahr machen sie es besser.
MagdeburgNDVMM